No to Racism. Grundlagen für eine rassismuskritische Schulkultur

Rahel El-Maawi, Mani Owzar und Tilo Bur

Sprache und Sein

Kübra Gümüsay

Exit Racism

Tupoka Ogette
BÜCHERELISTE

Wörterbuch

Eines unserer Projekte ist dieses Wörterbuch. Es gibt verschiedene Gründe dafür, weshalb wir es uns zum Projekt gemacht haben. Um Rassismus verhindern zu können, muss man diesen erkennen und benennen. Ausserdem können Wörter an sich rassistisch sein, auch wenn dies gar nicht der Intention der Sprecherin oder des Sprechers entspricht.

Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit sondern erweitern das Wörterbuch nach und nach. Ausserdem handelt sich sich um Arbeitsdefinitionen. Das bedeutet, dass sie sich verändern können.

A

Ally

Ist eine Person, die den Kampf gegen Rassismus so annimmt, als sei es ihr eigener. Sie tut dies, auch wenn sie Angst hat oder es unangenehm wird. Ausserdem nutzt sie eigene Privilegien, um Menschen mit weniger Privilegien Zugänge zu ermöglichen, die die Person allein nicht hat (vgl. Fajembola und Nimindé-Dudandengar 2021).

Antisemitismus

Antisemitismus ist eine Form von rassistischer Diskriminierung (vgl. Diskriminierung, rassistische) und richtet sich gegen Juden und Jüdinnen, jüdische Vertreter*innen, Institutionen oder Einrichtungen. Er baut auf Vorurteilen gegenüber «Juden» auf und kann sich in Abneigung, Hass, Anfeindungen und gewalttätigen Übergriffen äussern. Jüdinnen und Juden werden bei dieser Art der Diskriminierungen nicht, oder nicht nur als Religionsgemeinschaft verstanden, sondern als «Ethnie» oder «Volk» imaginiert.Beispiele für antisemitische Vorstellungen sind, dass «Juden» eine kollektive Macht besitzen würden und so etwa die Kontrolle über die Wirtschaft, Regierungen oder Medien besitzen würden. Auch das Leugnen des Holocaust (Völkermord an den Juden und Jüdinnen durch das nationalsozialistische Deutschland) oder das Bestreiten dessen Ausmasses ist antisemitisch. Auch Witze und Anspielungen tragen dazu bei ein antisemitisches Klima zu schaffen und werden dementsprechend bereits als antisemitisch verstanden.

Antirassismus

Antirassismus bezeichnet unterschiedlichen Ansätze, die jegliche Form von rassistischer Diskriminierung zu überwinden versuchen. Um antirassistisch zu handeln, müssen zuerst eigene Stereotype und Vorurteile abgebaut werden.

Alltagsrassismus

Alltagsrassismus zeigt sich, wenn sich rassistische Vorurteile über kulturell verankerte Zugehörigkeitsordnungen, Bilder und Vorstellungen unbewusst und/oder unbeabsichtigt z. B. in vermeintlich neutralen, positiven, oder neugierigen Fragen, Aussagen, Gesten, Handlungen und Blicken niederschlägt. Alltagsrassismen schliessen Menschen implizit aus dem «Wir» aus. Das passiert indem sie anhand rassifizierter Merkmale (Aussehen, Sprache, Namen usw.) als „Andere“ identifiziert und behandelt werden, z. B. durch übergriffige Handlungen wie das Berühren der Haare oder durch Komplimente für Deutschkenntnisse. Dies kann im Widerspruch stehen zur eigenen Identifikation.Ein Merkmal von Alltagsrassismus ist seine Regelmässigkeit. Das Selbstbild der negativ Betroffenen wird ständig erschüttert was noch dadurch verstärkt wird, dass den Betroffenen oft sogar abgesprochen wird, dass sie Rassismus erfahren.Der Begriff„Alltagsrassismus“ betont also das Zusammenwirken von individuellen Handlungen und gesellschaftlich-kulturellem Rassismus.

C

Colorism

In einer rassistischen Gesellschaft werden Menschen nach ihren Hauttönen beurteilt. Der Begriff Colorism (auch Shadeism) kommt usprünglich aus den USA und bezeichnet eine spezifische Art der Diskriminierung, bei welcher die «Farbe» bzw. die Schattierung der Haut die Basis für die Bevorzugung oder die Benachteiligung von Personen bildet. Colorism hat konkrete Auswirkungen im Alltag. PoC die besonders dunkle Haut haben, werden institutionell und auch im Alltag stärker diskriminiert als jene mit heller Haut.

D

Diskriminierung

Diskriminierung ist die Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund einer Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe. Die Zuordnung geschieht oft durch andere Menschen und basiert dabei z.b auf äusserlichen Merkmalen; oft wird sie nicht durch die betroffenen Person freiwillig vollzogen. Gruppenzuordnungen, auf Grund derer Menschen diskriminiert werden, sind zum Beispiel Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, soziale oder ethnische Herkunft, Sprache, Religion, politische Überzeugung, Alter, Behinderung, Körpergewicht. Die von der Gesellschaft konstruierten Normen und die Abweichung davon führen zu Diskriminierung.

Diskriminierung, rassistische

Rassistische Diskriminierung ist eine spezifische Form von Diskriminierung, bei der ein historisch geschaffenes ungleiches Machtverhältnis zentral ist. Weisse Menschen haben im Kontext von Rassismus erst sich selbst und dann «die Anderen» erfunden, diese erniedrigt und als fremd bezeichnet. Rassismus bedeutet, dass Menschen aufgrund vermeintlicher ethnischer Zuschreibungen, welche als minderwertig angesehen werden, diskriminiert werden. Rassismus gibt es in unterschiedlichen Formen wie Alltagsrassismus (vgl. Alltagsrassismus), etwa die Frage “Wo kommst du wirklich her?”, aber ist auch institutionell und strukturell verankert (vgl. “weiss”)

E

Empowerment

Empowerment heisst Ermächtigung. Personen oder Gruppen die in der Gesellschaft diskriminiert (vgl. Diskriminierung) werden, eigenen sich gezielt Strategien an um ihr Leben selbstbestimmter zu Leben. Dies kann beispielsweise in Form von Workshops geschehen. Durch das Erkennen der Diskriminierung, aber auch der eigenen Stärken, kommt es zu einer Vergrösserung des Handlungsspielraumes in Bezug auf einschränkende Mechanismen und so zu einer Selbstermächtigung.

Exotik

Exotisch bedeutet aus einem fremden Land stammend, fremdartig wirkend, überseeisch oder ausländisch. Während des Kolonialismus wurden Menschen als «exotisch» bezeichnet, die aus den europäischen Kolonien stammten. Exotisch bedeutet also immer auch fremd. Eine Person als «exotisch» zu bezeichnen ist daher rassistisch auch wenn die Intention nicht böse ist.

G

Gadje - Rassismus

Gadje-Rassismus ist ein Begriff, den Romani-Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen vorgeschlagen haben, um die Bezeichnung „Antiziganismus“ zu ersetzen. Er hat u. a. den Vorteil, dass er keine einheitliche Gruppe der von ihm Betroffenen unterstellt, sondern den Blick auf die Mehrheitsgesellschaft und die Funktionen lenkt, die Gadje-Rassismus für sie erfüllt. (Gadje bezeichnet im Romanes Nicht-Romnja, Sg. männlich: Gadjo, weiblich: Gadji, Pl.: Gadje). Denn unter Gadje-Rassismus ist eine historisch gewachsene Praxis zu verstehen, die von Nicht-Romnja ausgeht. .Gadje – Rassismus ist eine Form von rassistischer Diskriminierung und richtet sich unter anderem gegen Roma, Sinti, Fahrende und Jenische. Diese Gruppen werden stigmatisiert und es werden ihnen kriminalisierende Eigenschaften zugeschrieben oder auch romantisierende stereotype Eigenschaften, wie wahrsagerische Fähigkeiten.Im Nationalsozialismus wurden Roma und Sinti entrechtet ihrer Lebensgrundlage beraubt und schliesslich in die Vernichtungslager deportiert.Gadje – Rassismus heute äussert sich in diskriminierenden Aussagen und gewaltätigen Handlungen aber auch in sozialen Strukturen die ausschliessend sind.

H

Hautfarbe

Hautfarbe ist für Rassismus zentral und funktioniert als Projektionsfläche für rassistische Vorstellungen. Die rassistische Logik benutzt seit Beginn der europäischen Kolonialzeit Hautfarbe als Merkmal, um Menschen zu ‚klassifizieren‘ und Ihnen vermeintliche Eigenschaften zu- bzw. abzusprechen. Diese Unterschiede sind konstruiert, dass bedeutet sie entsprechen in diesem Fall nicht der Wahrheit, sondern dienen der Aufrechterhaltung eines rassistischen Systems. Denn nur so konnte und kann die Ausbeutung, Misshandlung und Ermordung von Menschen im Kolonialismus gerechtfertigt werden. Für viele Menschen ist es anfänglich schwer zu verstehen, dass es in der rassistischen Ideologie nicht um Hautfarben im eigentlichen Sinne geht. Betrachten wir jedoch, die Entwicklung von weiss-Sein, wird schnell klar, dass Menschen die heute als weiss gelten dies nicht immer taten. Beispielsweise forderten Hafenarbeiter im New York des 19. Jahrhunderts, ihr Viertel solle weiss bleiben und damit meinten sie neben z. B. Afro-Amerikaner*innen „keine Ir*innen” und „keine Deutschen» (vgl. I-Päd Glossar)

I

Intersektionalität

Verschiedene Arten von Diskriminierung (z.B bezüglich Ethnizität, Klasse Nationalität, Sexualität und Alter) lassen sich nicht voneinander trennen, dies möchte der Begriff  «Intersektionalität» ausdrücken. Intersektionale Theorie zielt darauf ab unterschiedliche Positionen sozialer Ungleichheit zu analysieren und ihre Überschneidungen aber auch Zusammenwirken aufzeigen. Eine muslimische, lesbische Frau kann von Sexismus, Islamophobie und Homophobie betroffen sein und so in ganz unterschiedlichen Situationen Ausschlusserfahrungen machen. Diese Diskriminierungen addieren sich aber nicht einfach, sondern sie führen zu einer ganz spezifischen Erfahrung.

Islamophobie

Islamophobie bedeutet Feindseligkeit gegenüber Muslim*innen und bezeichnet ihre Abwertung und Benachteiligung. Oft wird Islam nicht einfach als Religion betrachtet, sondern es wird auf und Kultur geschlossen, weshalb auch nichtpraktizierende oder nichreligiöse Menschen von Islamophobie betroffen sein können. Islamophob ist die Vorstellung, dass sich Muslime grundsätzlich von Nichtmuslimen unterscheiden und wenn man sie aufgrund dieser vermeintlichen Unterschiede anders behandelt.In einem islamophoben Klima werden einseitig negative Sichtweisen über den Islam und Muslim*innen verbreitet. Muslim*innen werden so häufig mit Merkmalen und Eigenheiten des Islams konfrontiert, die in ihrem persönlichen Alltag womöglich gar keine Rolle spielen. Islamophob können auch Aussagen von Personen sein, die sich selbst nicht als islamfeindlich bezeichnen sondern unbewusst Stereotype reproduzieren. Beispielsweise wenn eine Muslima gefragt wird, warum sie kein Kopftuch trägt (Annahme: alle Muslim*innen tragen Kopftuch) oder woher sie kommt (Annahme: Musliminnen können nicht Schweizer*innen sein).

K

Kulturelle Aneignung

Wenn Angehörige der Hegemonialkultur (dominanten Kultur) sich kulturelle Ausdrucksformen aneignen und evt. sogar finanziell davon profitieren, ohne dabei die Geschichte der Sklaverei oder andere Unterdrückungsformen durchlebt zu haben. Es wird von vielen Personen als unfair wahrgenommen, wenn diese kulturellen Ausdrucksformen zwar benutzt werden, für die Menschen die sie hervorgebracht haben, aber kein Platz ist in der Gesellschaft.

O

Othering

Von Othering spricht man, wenn eine Gruppe oder eine Person sich von einer anderen Gruppe abgrenzt, indem sie die nicht-eigene Gruppe als andersartig und fremd beschreibt. Dies geschieht in der Regel innerhalb eines Machtgefälles: die als anders Beschriebenen sind von Diskriminierung betroffen und haben deswegen wenig Möglichkeiten, sich gegen die Zuschreibung zu wehren.Othering (von englisch other = anders) bezeichnet die Distanzierung von einer Gruppe, deren Eigenschaften, Bedürfnisse und Fähigkeiten als besonders hervorgehoben werden. Unabhängig davon, ob die in den Mittelpunkt gerückten Eigenschaften positiv oder negativ gewertet werden, werden sie als abweichend von der Norm interpretiert und die der Gruppe zugehörigen Personen damit ausgegrenzt. Meist wird die andere Gruppe im Vergleich aber abgewertet und durch diese Abwertung das eigene positive Selbstbild erzeugt: Um die eigene Gruppenidentität zu bilden, zu stärken und als Norm zu bestätigen, braucht es die Abgrenzung von der anderen Gruppe.Oft entsprechen die Eigenschaften, Bedürfnisse und Fähigkeiten, die der dominanten Gruppe als Abgrenzungsmerkmale dienen, den Diskriminierungsdimensionen, die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz benannt werden. Gruppen werden beispielsweise wegen ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität, einer Behinderung oder aufgrund rassistischer Zuschreibungen zu Anderen gemacht. Dabei wird die Gruppe als Einheit wahrgenommen und als Ganze beispielsweise für die Handlungen einzelner Personen verantwortlich gemacht.Der Begriff Othering wird im Deutschen manchmal mit VerAnderung oder Fremd-Machung übersetzt.(vgl. Wörterbuch Diversity Arts Culture)

P

PoC

Abkürzung für Person/People of color; ist die Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismuserfahrungen machen. Die Bezeichnung ist in der Bürgerrechtsbewegung in den USA entstanden und zielt darauf ab, die unterschiedlichen Gruppen, die Rassismus erfahren, zu vereinen, um so Kräfte zu bündeln und gemeinsam gegen Rassismus zu kämpfen. PoC ist der Begriff der alle nicht-weissen Identitäten vereint. Es existieren noch genauere Bezeichnungen für gewisse Gruppen wie etwa BIPoC (Black and Indigenous People of Color), Schwarz (siehe Schwarz) oder auch QPoC (Queer Person of Color).Der BIPoC wird manchmal auch als Black, Indigenous and PoC verwendet, da sich einige Schwarze Personen nicht als PoC definieren.

Privilegien

Privilegien zu haben bedeutet, mit gewissen Problemen und Diskriminierungen im Alltag nicht konfrontiert zu sein. Privilegien können sein: einen Schweizer Pass haben; als weiss gelten; cis Mann sein; nicht beinträchtig zu sein, etc. Privilegien zu haben bedeutet nicht, dass man es im Leben immer leicht hat.

R

Rassismus

Rassismus bezeichnet die Einteilung von Menschen in «Rassen» (aufgrund willkürlicher Merkmale) und hierarchische Einstufung dieser «Rassen». Durch diese Einteilung wurde die Ausbeutung, Misshandlung und Ermordung von Menschen im Kolonialismus gerechtfertigt.Oft meinen wir eigentlich rassistische Diskriminierung, wenn wir von Rassismus sprechen.

S

Stereotyp

Stereotype werden im Alltag vielfach verwendet. Stereotype sind vereinfachende Vorstellungen über Menschen, welche die Wahrnehmung einer Person bestimmen. Sie basieren auf Vorstellungen und Mustern, die im täglichen Umgang nicht mehr hinterfragt werden. Eigenschaften von Personen und Gruppen werden festgeschrieben und dominante gesellschaftlich-kulturelle Wertungen, die mit Privilegien und Benachteiligungen verbunden sind werden reproduziert.Stereotype beeinflussen Wahrnehmung und Handeln auch unbewusst. Sie haben einen impliziten Einfluss auf professionelles Handeln. Massenmedien reproduzieren Stereotype sehr explizit.

Stigmatisierung

Die Verallgemeinerung von Gruppen („die Araber*innen”, ,,die Chines*innen” etc.), mit der Verbindungen von meist negativen Eigenschaften und Merkmalen einhergehen, wie „aggressiv”, ,,gehorsam” etc. Personen werden somit durch ihre (vermeintliche) Gruppenzugehörigkeit negativ charakterisiert. Die Verbindung von vermeintlichen Gruppen und Eigenschaften kann auch positiv gemeint sein, wie z.B. zu sagen, dass jemand gut tanzen kann, weil er*sie „Südländer*in” ist. Diese Form von Kompliment funktioniert in einer rassistischen Logik und ist deswegen auch diskriminierend. Stigmatisierung ist ein Prozess, der sehr oft Bestandteil von Diskriminierung und Rassismus ist. (vgl. Glossar I-Päd)

Schwarz

Ist die korrekte Bezeichnung für Schwarze Menschen, die afrikanische bzw. afrodiasporale Bezüge haben. Afrodiasporal bedeutet, dass Menschen in ihrer Geschichte verwandtschaftliche Bezüge zum afrikanischen Kontinent haben. Um den Widerstandscharakter dieses Wortes zu betonen, wird das „S” grossgeschrieben. Schwarz ist eine Selbstpositionierung.

V

Virtue - Signaling

Virtue – Signaling ist das Zurschaustellen von Ansichten, die die moralische Korrektheit der eigenen Position zu einem bestimmten Thema zeigen sollen und gleichzeitig als besonders zustimmungsfähig erachtet werden. Kritisiert wird häufig, wenn den signalisierten Ansichten keine konkreten Taten folgen. Ein Beispiel ist es, wenn Influencer beispielsweise beim #blackouttuesday mitmachen, aber keine Taten folgen lassen, wie z.B PoC Organisationen zu unterstützen.

W

Whataboutism

Die Argumentationsstrategie, auf ein Argument, eine Kritik oder eine schwierige Frage mit einer Gegenfrage zu antworten oder ein anderes Thema aufzugreifen.
Beispiel: «Wir müssen für die Gleichberechtigung der Frauen in der Schweiz kämpfen!» – «Und was ist mit [And what about] Frauen in Saudi-Arabien? Die haben es doch viel schlechter.»
weiss
Im Gegensatz zu den Bezeichnungen Schwarz und PoC ist weiss keine Selbstpositionierung. Weiss sein bedeutet, Privilegien und Macht zu besitzen, wie zum Beispiel das Privileg, sich nicht mit Rassismus auseinandersetzen zu müssen. Weisse Menschen haben in Bezug aufs weiss-Sein leichtere Zugänge zum Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, zu Gesundheitsversorgung und politischer Teilnahme als PoC und Schwarze Menschen. Natürlich gibt es andere Ausschlusskriterien, wie zum Beispiel Klassenzugehörigkeit, die diese Zugänge auch bei weissen Menschen erschweren können. Deutlich wird es zum Beispiel, wenn sich Familie Müller und Familie Yilmaz beide für eine Altbauwohnung in Wiedikon bewerben. Wir können davon ausgehen, dass beide Familien sich die Wohnung leisten können, jedoch Vermieter*innen oft Namen bevorzugen, die als ’schweizerischer› wahrgenommen werden. Weiss sein wird als Norm etabliert und als solche nie benannt. Dabei geht es nicht um nur um Hautfarben, sondern politische Begriffe, die den Zugang zu Macht beschreiben. (vgl. Glossar I-Päd)

Weiss

Im Gegensatz zu den Bezeichnungen Schwarz und PoC ist weiss keine Selbstpositionierung. Weiss sein bedeutet, Privilegien und Macht zu besitzen, wie zum Beispiel das Privileg, sich nicht mit Rassismus auseinandersetzen zu müssen. Weisse Menschen haben in Bezug aufs weiss-Sein leichtere Zugänge zum Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, zu Gesundheitsversorgung und politischer Teilnahme als PoC und Schwarze Menschen. Natürlich gibt es andere Ausschlusskriterien, wie zum Beispiel Klassenzugehörigkeit, die diese Zugänge auch bei weissen Menschen erschweren können. Deutlich wird es zum Beispiel, wenn sich Familie Müller und Familie Yilmaz beide für eine Altbauwohnung in Wiedikon bewerben. Wir können davon ausgehen, dass beide Familien sich die Wohnung leisten können, jedoch Vermieter*innen oft Namen bevorzugen, die als ’schweizerischer› wahrgenommen werden. Weiss sein wird als Norm etabliert und als solche nie benannt. Dabei geht es nicht um nur um Hautfarben, sondern politische Begriffe, die den Zugang zu Macht beschreiben. (vgl. Glossar I-Päd)

Whitepassing

Eine Person of Color ist whitepassing, wenn sie aufgrund ihres Äusseren nicht geandert (engl.: othered) wird. Dies passiert, weil sie als «weiss» gelesen wird, z.B weil sie «europäische» Gesichtszüge hat und helle Haut.Whitepassing PoC machen unterschiedliche Rassismuserfahrungen. Sie können geandert werden aufgrund ihres Namens oder wenn es in Gesprächen um ihre «Herkunft» geht. Einige PoC sind nur in bestimmten Situationen whitepassing, z.B wenn sie sich auf eine bestimmte Art kleiden oder wenn sie mit bestimmten Leuten unterwegs sind.Whitepassing PoC verfügen über spezifische Privilegien, sie profitieren beispielsweise von Colorism, Featureism, Textureism.

White Fragility oder weisse Zerbrechlichkeit

Weisse Zerbrechlichkeit ist die spezifische Reaktion weisser Menschen, wenn sie auf Rassismus angesprochen werden. Die Reaktionen reichen von Abwehrstrategien wie Leugnen bis zu Schweigen, Wut, Angst und Schuldgefühlen. Ziel ist es, die eigenen Privilegien zu schützen und unsichtbar zu machen und so ein ehrliches Gespräch über Rassismus unmöglich zu machen. Die Soziologin Robin DiAngelo führte den Begriff
«weisse Zerbrechlichkeit» (2018) erstmals in ihrem gleichnamigen Buch ein.

Woke

Wenn jemand “wach im Kopf” ist, also ein scharfes Bewusstsein für soziale Missstände wie Sexismus oder Rassismus hat. Der Begriff wird immer häufiger auch abwertend oder als Beleidigung verwendet.